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Austausch Israel

Vom 02. bis 09. April 2016 war (organisiert vom FZH e.V.) eine Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Berliner Nachbarschaftseinrichtungen und vom Freundeskreis Berlin Pankow-Ashkelon e.V. in Israel. Hier ein erster Eindruck von dieser Reise:

Um es kurz zusammenzufassen: Dieser Besuch in Israel fand unter dem Dach des Fachaustausches zwischen Berliner Nachbarschaftszentren und Israelischen Community Centern statt. Unter dieses Dach passte auch gut die Vertiefung der Partnerschaft zwischen Ashkelon und Pankow. So waren wir, die Gruppe aus Berlin, in Community Centern verschiedener Städte, in Kinder- und Jugendeinrichtungen und in Bildungseinrichtungen.
Als wir zurück in Berlin waren, fragte ich eine aus der Gruppe, was denn ihrer Meinung nach der intensivste Eindruck und was das Überraschendste für sie gewesen sei. Das sei nicht einfach, hörte ich, denn insgesamt sei die Woche in Israel sehr intensiv gewesen. Sehr abwechslungsreich, vielschichtig, so voller Informationen und Eindrücke, auch anstrengend, und schön.

Am meisten überrascht sei sie von den Menschen gewesen, sagte sie nach einigem Nachdenken, darüber mit welcher Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit wir überall empfangen wurden. Auch über die Offenheit, mit der auf unsere Fragen eingegangen worden war, und die z.B. nach der politischen Situation waren ja auch durchaus kritisch. Das hatte sie sich anders vorgestellt. Und auch die Aktivität und die Lebensfreude etwa in TelAviv passten da rein. Uns als ferne Mitteleuropäer ist ja gar nicht klar, wie verschwommen die Grenzen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen (Araber, Juden, arabische, äthiopische Israeli, Juden aus dem Osten Europas oder Asien usw.) sind, durch Verwandtschaft, Freundschaft, gemeinsamer Arbeit oder die soziale und Wohnsituation.
Und das intensivste, sagte sie schließlich, das was auf sie einen sehr großen Eindruck gemacht hat, war der Vortrag in der Academic Studies in Yehuda . Eine Dozentin analysierte darin die gegenwärtige israelische Demokratie, es ging um die Spannungen im Land, die politische Ausweglosigkeit des „Systems Netanjahu“ und um die Perspektive, die nur in einer ausgewogenen Zweistaatenlösung liegen kann.

Oder was auch neu war für sie, war der hohe Stellenwert der Bildung in der israelischen Gesellschaft. Im Talmud heißt es: »Die Welt wird vom Atem eines Kindes in der Schule getragen«. Und durchaus in diesem Sinne wird der Bildung in der heutigen israelischen Gesellschaft ein fundamentaler Stellenwert beigemessen. Sie wird als Schlüssel zur Zukunft angesehen. Dazu gehört auch, dass die Kinder zu verantwortungsbewussten Mitgliedern einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft heranwachsen. So erlebten wir etwas, das man überspitzt als „Zwang zur Freiwilligkeit“ bezeichnen kann: Schon für Kids im Schulalter gehören einige nachgewiesene Stunden ehrenamtlichen bürgerschaftlichen Engagement in der Gesellschaft dazu. Und es funktioniert: Trotz des Widerspruchs wächst offenbar aus dem obligatorischen freiwilligen Engagement ein bleibendes lebenslanges Engagement für das solidarische Zusammenleben in der Gesellschaft.

Das sei natürlich nicht alles, sagte sie, es gibt viele Aspekte und vieles, das sie noch weiter beschäftigen und begleiten wird. Aber letztlich verstärkt sich für sie trotz der komplizierten, ausweglos scheinenden politischen und gesellschaftlichen Lage die Hoffnung auf ein einen Ausgleich in der Gesellschaft, für den es offenbar eine Basis gibt.

Christoph Lewek, 2016-04-28